Der Wunsch nach Machtbeschneidung

16 Feb

Die Krawatte als Symbol der männlichen Macht – an Weiberfastnacht wird sie beschnitten. Welches weibliche Wesen ist noch nicht am Donnerstag vor Rosenmontag aufgeregt durch die Gegend gelaufen, um möglichst viele Krawatten-Stücke zu ergattern und den Mann mit einem traurigen Stummel zurückzulassen? Die wertvollsten Trophäen sind dabei immer die Exemplare von Lehrern, Vorgesetzten oder dem Angebeteten.

Doch entspringt dieser rheinische Brauch wirklich dem Kastrationswunsch der Frauen, wie oftmals angenommen wird? Laut Dr. Wolfgang Herborn vom Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande liegt der Ursprung viel mehr in dem Wunsch der Beschneidung der Macht der Vorgesetzten. So galt der Schlips immer als Statussymbol – ohne Krawatte war der Chef seinen Untergebenen gleich viel ähnlicher. Und wie sagen die Bläck Fööss so schön? Mir all, mir sin nur Minsche, vür’m Herjott simmer glich.

Doch einen Trost gibt es für die Männer – für jede abgeschnittene Krawatte gibt es ein Bützcher. Dafür verzichtet doch jeder gern auf seine männliche Macht.

 

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