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Leinen_Los – eine tolle Aktion!

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Die Krawatte stellt ein Stück Krefelder Identität dar. Trotz des Strukturwandels in der Textilindustrie wird sie immer noch in der Niederrheinischen Großstadt produziert. Auch in Norbert Krauses skulpturöser Aktion spielt sie eine zentrale Rolle. Der Künstler fordert die Krefelderinnen und Krefelder auf, den Knoten ihres edlen Stück Stoffes zu lösen, es seiner Stadtskulptur zu übergeben und diese so zu der ihren zu machen. Aus einem Produkt wird eine Handlung, eine Haltung, vielleicht gar ein Bekenntnis. Ganz bewusst steht die Skulptur nicht auf einem der alten Prachtboulevards, sondern in zweiter Reihe. Denn dort wird Krefelds Zukunft verhandelt. Jeden Tag aufs Neue!

Gut eine Woche stand der Krawattenbaum auf dem Platz an der Alten Kirche und wurde von Krefelder Bürgern mit Ihren besten Stücken behangen. Für die Idee und Umsetzung im Rahmen der „Spuren der Zukunft“ zeichnet Aktionskünstler Norbert Krause verantwortlich, den wir zu dem Projekt befragten.

Herr Krause, Sie haben auf dem Platz an der Alten Kirche, eine baumartige Skulptur aufgestellt und die Krefelderinnen und Krefelder gebeten, diese mit Krawatten zu behängen. Wie kam es zu der Aktion, die Sie „Leinen_Los“ genannt haben?

„Leinen_Los“ ist Teil des Projekts „Spuren der Zukunft“,  an dem die vier Städte Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn, Venlo und Krefeld beteiligt sind. Das Projekt befasst sich mit dem Wandel der Innenstädte und betrachtet hier vor allem Chancen und Möglichkeiten dieser als Lebens- und Kulturraum. In jeder der vier Städte findet zurzeit eine künstlerische Intervention statt. In Krefeld war es die skulpturöse Aktion „Leinen_Los“.

Eine skulputröse Aktion?

Ja, genau. (lacht) „Leinen_Los“ ist ja sowohl Skulptur, als auch Aktion. So kam es zu diesem Begriff.

Warum haben Sie die Krefelderinnen und Krefelder gebeten, den Baum mit Krawatten zu behängen?

In meinen Arbeiten befasse ich mich oft mit den Themen Stadt und Mensch. Zur Hochzeit von Samt und Seide, vor vielleicht 100 Jahren, hatten die Bürgerinnen und Bürger kaum Einfluss auf ihre Stadt, heute ist das ganz anders. Zu fast jedem größeren Bauprojekt gibt es beispielsweise eine Bürgerbeteiligung. Der Krawattenbaum steht symbolisch für die Stadt, die durch Engagement der Bürgerinnen und Bürger erst zu strahlen beginnt. Die Menschen hatten die Möglichkeit den Baum, also ihr Umfeld, mit zu gestalten. Diese oder andere Formen von Engagement von städtischer Seite zu ermöglichen und bestenfalls zu fördern empfinde ich als sehr wichtig.

Wie haben die Bürgerinnen und Bürger darauf reagiert?

Als wir eine Stunde vor der offiziellen Eröffnung am Baum ankamen lagen auf dem Podest schon um die einhundert Krawatten, die Menschen tagsüber vorbei gebracht hatten. Im Laufe des Abends wurden es dann noch mehr, so dass der Baum schon nach dem ersten Tag in voller Blüte stand. Eine Anwohnerin hat mir zwar berichtet, dass manch einer eine Krawatte vom Baum gemopst hat, aber über die Woche hinweg sind es dann doch eher mehr als weniger Krawatten geworden, die um Äste und Stamm geknotet wurden.

Die Skulptur stand eine Woche auf dem Platz an der alten Kirche? Warum nur so kurz?

Die Aktion war eher im Sinne einer Intervention, denn im Sinne etwas Dauerhaften geplant. Der Baum diente als Vehikel um aufzuzeigen wie leicht sich eine Stadt mitgestalten lässt, sofern der Rahmen stimmt. Grundsätzlich ist es aber natürlich weitaus wünschenswerter wenn eine Aneignung öffentlichen Raums auch ohne den Umweg über einen Künstler geschieht. Krawatten bieten hierfür ja eine gute Grundlage, sie lassen sich fast überall dran binden und stellen nicht so schnell ein statisches Problem dar wie z.B. die tausenden Liebesschlösser an der Deutzer Brücke in Köln.

Welches Fazit ziehen sie am Ende dieser Woche?

Erst einmal hat sich gezeigt, dass in Krefeld keine Krawattenknappheit herrscht (lacht) . Den Menschen liegt ihre Stadt am Herzen und wenn man einen praktikablen Rahmen schafft, sind viele bereit sich zu beteiligen. Am Ende des Tages sind es nicht die Gebäude, nicht die Geschäfte oder der Gewerbesteuersatz der eine Stadt ausmacht, sondern die Bürgerinnen und Bürger. Mit oder ohne Krawatte.

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